AllgemeinBewegungsapparatHerz-&KreislaufPferde

Wie Nüsse und Hagebutten die Nerven beruhigen

Auf unserem Pferdehof geben seit einiger Zeit die Maschinen den Ton an. Mit Stolz und Erleichterung stelle ich fest, dass meine Pferde der Lärm nicht im Geringsten beeindruckt.

Ich glaube bei uns im Stall ist derzeit jede Art von Maschine im Einsatz. An Tagen wie diesen laufen die Mischmaschine auf der Baustelle, der Traktor in der Reithalle, ein Bagger, der den Mist auf einen Anhänger lädt und dabei seine Schaufel hoch über die Köpfe der vorbeigehenden Pferde erhebt. Den Wirbel der Motorsense, mit der ein Arbeiter das Gestrüpp rundum dem Reitplatz mäht, hören wir schon fast nicht mehr. Unsere Pferde sind lärmerprobt, bombensicher, nervenstark und einfach der Hammer!

Zu den Geräuschen – mal mehr, mal weniger laut – prasselt nicht nur der Schotter vom Kipper, sie werden auch durch zahlreiche optische Motive ergänzt: Kabel, Schläuche, Baustellenschilder und Baugruben, Leitern und Gerüste, Bohrer, Zementsäcke, herumwirbelnde Plastikfolien und Arbeiter. Arbeiter mit Scheibtruhen, Werkzeug, neben, unter und über den Pferden.

Jeden Tag staune ich über meine treuherzigen Pferde, die nicht nur klaglos an dem Wirbel vorbeigehen, sondern konzentriert mitarbeiten und sich sichtlich von keiner Aktivität beeindrucken lassen. Ich bin stolz darauf und nehme ihre entspannte Art als Kompliment. Sie fühlen sich sicher, lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und steigern sich in keine Situation hinein. Das mag daran liegen, dass ich ihnen Sicherheit und Vertrauen vermitteln kann, mich traue sie vorwärts zu reiten und selbst keine Angst vor akustischen, optischen und sonstigen Reizen habe.

Bestimmt ist die Ruhe / Selbstsicherheit / Zufriedenheit meiner Pferde auch darin begründet, dass sie ein sehr geregeltes Leben führen. Sie bekommen ihr Futter pünktlich und in ausreichender Menge, werden liebevoll betreut, vom umsichtigen Personal pünktlich auf Koppel oder Paddock und wieder zurück in ihre Box gebracht. Alle Abläufe finden zu gegebener Zeit, mit der nötigen Sorgfalt und in Ruhe statt. Die Pferde können darauf vertrauen, dass gut mit ihnen umgegangen wird, sie keinen Hunger leiden und sich nicht fürchten müssen.

Ich finde, die Souveränität meiner Pferde ist dennoch keine Selbstverständlichkeit. Vielmehr ist es das Ergebnis einer insgesamt guten Haltung und fundierter Umgangsformen – sei es im Training oder bei jeglicher Interaktion. Jedenfalls freue ich mich jeden Tag darüber und werde nicht müde sie zu loben. Nebenbei versuche ich zudem die Arbeiter ein wenig in die Welt der Pferde einzuführen. Sie mögen lieber nicht schleichen wie ein Raubtier, wenn sie an uns vorbeigehen, habe ich ihnen als erstes erklärt. Denn oft sind sie flink in ihre Baugrube abgetaucht oder haben sich hinter der nächsten Ecke versteckt.

Wie mir ein Lehrling staunend erklärte, sei er einem so großen Tier wie meinem Pferd noch nie in seinem Leben so nahe gewesen. Das hat mich direkt ein wenig gerührt. In der Schule habe er auch nichts über Pferde gelernt. Eine direkte Begegnung mit einem Reitpferd hatte er erstmals auf der Baustelle im Stall. Das zu bedenken, lege ich allen Reiterinnen und Reitern ans Herz. Ich rege an, in einen freundlichen Dialog zu treten. Etwa dem Verantwortlichen (Polier) ein paar Umgangsformen im Pferdestall zu erklären. Auch der Bauherr könnte die Arbeiter kurz einweisen. Da dies nicht immer so ist, liegt es uns Reiterinnen – im Sinne des Wortes – vom hohen Ross herabzusteigen und uns auf Augenhöhe mit Handwerkern und Baggerfahreren zu begeben. (Man muss ja nicht gleich in die Baugrube hinuntersteigen.) Ein paar einfache Verhaltensregeln sind schnell erstellt und dienen der Sicherheit aller Beteiligten, der zweibeinigen wie auch der vierbeinigen.

Für Nervenbündel (zweibeinige) empfehle ich Nüsse aus dem Automaten. So einen hat mir vor vielen Jahren ein Schüler geschenkt, damit ich mich in der Reitstunde nicht so aufregen muss. „Beruhigungsnüsse für den Unterricht“ stand da drauf. Fürs Pferd könnte es Emobilor® sein, das bei Stress und zur Regeneration empfohlen wird. Da sind zwar keine Nüsse drinnen, aber Hagebutten- und Brombeerextrakt. Die passen außerdem gut zur Jahreszeit, ein saisonaler Nahrungsergänzer sozusagen.

Hagebutten sind übrigens wahre Vitaminbomben (Zitrone des Nordens) und enthalten Mineralstoffe und Spurenelemente wie Calcium, Eisen, Kupfer, Magnesium, Natrium, Phosphor und Zink. Pferde zupfen sie gerne von Hecken, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Schlaue Reiter geben sie ihren Pferden auch als Leckerli. Bei uns liegen um diese Jahreszeit immer wieder Hagebutten auf der Bande, damit sie nach der Arbeit als Belohnung griffbereit sind.

Schlagworte: Bewegung / Fitness / Haltung / Immunsystem / Pferde / Stress / Verhalten

Nächster Beitrag