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Jedes Pferd braucht einen Kumpel – die Bedeutung von Sozialkontakten

Eine pferdegerechte Haltung bedeutet auch, dass jedes Pferd Kontakt zu Artgenossen haben muss. Mit Infokasten zu Grundregeln und gesetzlichen Bestimmungen.

Gegenseitige Fellpflege, Schubbern und Kraulen sowie gemeinsames Grasen oder Rangeleien gehören zu einem erfüllten Pferdeleben. Mit ein wenig Kontakt durch die Gitterstäbe der Box ist das Sozialleben eines Pferdes nicht befriedigt. Im Idealfall wollen Pferde sich berühren, beknabbern und gemeinsam über die Koppel flanieren. Manch Stallplaner nimmt darauf sogar beim Stallbau Rücksicht. Denn moderne Boxen bieten vermehrt soziale Lösungen mit niedrigen Trennwände an, um dem Kontaktbedürfnis des Pferdes gerecht zu werden. Davon können wir (also meine Pferde und ich) nur träumen.

Leider muss ich zugeben, dass mein Junger sehr lästig sein kann. Am liebsten nimmt er alles ins Maul, was ihm vor die Nase kommt. So auch Haut- und Deckenfalten anderer Pferde, Stall- und Koppelhalfter auf deren Köpfen, Mähne und Schweif sowieso. Schon als Fohlen hat er den Schweif seiner Mutter fast bis zur Schweifrübe abgeknabbert. Er ist auch definitiv nicht für Körperkontakt rund um die Uhr (24/7) geeignet. Vielmehr riskiert er aufgrund seiner Distanzlosigkeit ständig Schrammen und Abschürfungen, sogar Nähen mussten wir ihn schon. Derzeit teilt er das Los der Einzelhaft mit dem der Hengste. Mir wäre ja lieber, sein Hals würde an einen Hengst erinnern und nicht sein Benehmen. Mit dem richtigen Partner kann er sich auch ganz wunderbar vertragen. Das wissen wir aus der Vergangenheit. Und Mähnekraulen liebt er mindestens genauso wie Fressen.

Die Stute ist nicht ganz so anstrengend, das liegt wohl auch am fortgeschrittenen Alter. Eine kleine Stutengruppe passt perfekt für sie. Da fühlt sie sich wohl und sucht sich ihre Position selber aus. Im Laufe ihres Lebens hatte sie immer wieder eine beste Freundin. Zuletzt war es eine bedeutend jüngere Stute, mit der sie wie in einem Gespann gemeinsam über die Weide gezogen ist, die beiden haben Kopf an Kopf gegrast, sind gemeinsam im Sand gelegen und haben sich begrüßt wenn eine mal weg war. An meiner Stute erlebe ich wie traurig Pferde sein können, wenn Freundschaften auseinandergehen. Ihre letzte dicke Freundin war tragend, was lange niemand bemerkt hat, und wurde schließlich mit ihrem Fohlen auf eine andere Weide umgesiedelt. Ich bin sicher, meine Stute wäre eine hervorragende Tante gewesen. Leider hat sie niemand gefragt.

Für die Stute war dies nicht der erste Verlust, sie hat schon mehrmals Trennung erfahren, nicht zuletzt von den eigenen Fohlen. Mein Herz ist jedesmal zerbrochen, wenn sie – einsam und verloren – irgendwo abseits der Gruppe gestanden ist. Derzeit lebt die Arme gerade eine seltene, dafür umso nachdrücklichere Antipathie aus. Ihre neue Boxnachbarin, ein entzückendes Ponystütchen, hasst sie mit solcher Inbrunst, dass ich Sorge hatte, sie würde es fressen. Dabei würde die kleine Fuchsstute so gerne Kontakt aufnehmen. Aber das funktioniert nicht. Abwechselnd stehen sie auf dem Paddock und gehen sich aus dem Weg. Wenn die eine raus geht, geht die andere rein. Nach einer Zeit wechseln sie. Fast muss ich lachen, weil es gar so ein menschliches Verhalten ist.

Wie schön wird es sein, wenn die Stute in wenigen Tagen neben ihrem Sohn steht, der sie anhimmelt. Der wiederum ist nicht so wählerisch. Er liebt buchstäblich jede Gesellschaft, besonders natürlich die von Pferden. Und wenn er zu wenige davon hat, dann nimmt er seine Menschen in Beschlag. Das funktioniert hervorragend. Kaum kraule ich seinen Widerrist, krault er meine Schulter. Und während ich ihm zart den Kopf massiere, schleckt er mir mit seiner langen Zunge übers Gesicht. Ich werde der glücklichste Mensch sein, wenn er wieder Artgenossen hat, die sich auf seine überbordende Annäherung einlassen.

Mit Öffnung der Wiesenkoppeln weicht der Spiel- hoffentlich dem Fresstrieb. Dann kann man vielleicht sogar die betagte Stute und ihren frechen Sohn gemeinsam auf die Weide stellen.

MERKE:
Nur ein psychisch gesundes Pferd ist leistungsfähig. Stress aufgrund falscher oder unzureichender Haltungsformen macht krank und schwächt das Immunsystem.

Bei Stress durch Stallwechsel, in der Rekonvaleszenz oder bei Absetzern hilft ANIMUN® equin. Mit speziellen Mikronährstoffen wie Schwefel, Hefe, Krausminzenextrakt, Roter Sonnenhut, Molkenproteine und Aminosäuren ergibt sich eine abgerundete Formel zur Unterstützung und Aufrechterhaltung eines gesunden Immunsystems bei Pferden.

Foto: © Louise Pilgaard on unsplash

GRUNDREGELN PFERDEGERECHTER HALTUNG

  • Kontakt zu Artgenossen
  • Regelmäßigen Zugang zu Auslauf oder Weide
  • Ausreichend großes Platzangebot – genügend Ausweichmöglichkeiten
  • In Ruhe Liegen können (bequeme, ausreichend große Liegefläche; Unterstand)
  • Kratz-, Scheuereinrichtungen, wie etwa Bürste
  • Stressfreies Fressen (ausreichend Plätze)
  • Stroh in entsprechenden Raufen jederzeit zugänglich (Sparraufen)
  • Zugang zu Trinkwasser (jederzeit zugänglich).

Gesetzliche Bestimmungen

Im Österreichischen Tierschutzgesetz ist die Haltung von Pferden in der 1. Tierhaltungsverordnung geregelt.

Wichtigste Bestimmungen für Pferde:

  • Anbindehaltung ist verboten
  • trockene, eingestreute Liegefläche – genügend Platz für alle Pferde
  • Mindestmaße für Einzel- und Gruppenhaltung
  • mehrmals wöchentlich ausreichend Bewegung
  • innerhalb von 24 h mindestens 8 Stunden Ruhepause
  • kein Stacheldraht zur Einzäunung von Koppeln
  • Lichteinfallsfläche mindestens 3% der Stallbodenfläche; mindestens 40 Lux der Leistung entsprechend Kraftfuttergaben
  • Raufutter ad libitum oder mindestens 3 x täglich
  • bei ganzjähriger Haltung im Freien: adäquate Liegefläche, Windschutz
  • Verbot aller medikamentöser & nicht pferdegerechten Einwirkungen auf Sportpferde zur Beeinflussung natürlicher Anlagen, Leistungssteigerung
  • regelmäßige & fachgerechte Hufpflege.

Quelle: Tierschutz macht Schule

Schlagworte: Bewegung / Haltung / Immunsystem / Pferde / Spiele / Stress / Verhalten

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