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Wo Fleiß, da Schweiß – Pferde baden an heißen Sommertagen

Je heißer die Tage, desto fröhlicher ist das erfrischende Finale unterm Wasserschlauch. Mit Tipps zum Umgang mit Wasser und Temperatur.

Die Jahreszeit bietet sich geradezu an für ein tägliches Bad. Nicht nur meine Pferde schwitzen derzeit sehr schnell – und sei die Arbeit noch so moderat. Beim Abgehen nehmen wir den kürzesten Weg in den Fluss, wo der halbstarke Pferdejunge zuerst einmal ordentlich trinkt. Eine Reitkollegin meinte letzthin, das sei ja klar, wenn sie zuhause nur durch den Strohhalm trinken. Gemeint war die Selbsttränke, die in ihren Augen eine Gemeinheit darstellt, zumindest für besonders durstige Pferde.

Zurück in den Fluss. Der Junge steht gerne und lange, also gerne sehr lange am liebsten bis zum Bauch im Wasser und schaut verklärt in die Landschaft. Dass dabei die Golfbälle nah an seinen Ohren vorbeirauschen erschüttert ihn genauso wenig wie Fische oder Labradore, die unter ihm durchschwimmen. In kürzester Zeit hat er sich zum Lehrmeister für sämtliche wasserscheue Pferde im Stall entwickelt. Souverän übernimmt er die Führung und wartet geduldig bis der Kumpel nachkommt. Dabei stört es ihn überhaupt nicht, dass das Wasser so eiskalt ist wie man es allenfalls im Gebirge erwarten würde.

Bei der Dusche daheim im Stall spielt die Temperatur des Wassers hingegen eine maßgebliche Rolle. Denn auf dem Waschplatz steht der Kerl nur dann ruhig, wenn wir es genau richtig temperiert erwischen. Das Wasser darf auf keinen Fall kalt sein, brrr! Da tanzt das Pferd (wie wir es ja auch tun, wenn wir unter einem kalten Brausestrahl stehen). Und wenn der Wasserstrahl zu heiß ist, zuckt das Pferd ebenso weg (wie der Mensch). Für das Pferd ist also lauwarmes Wasser perfekt zum Abspritzen. Meine Pferde stehen dann immer ruhig und lassen alles mögliche von Nase putzen bis Schweif shampoonieren über sich ergehen.

Tatsächlich möchte ich selbst das Warmwasser am Waschplatz für meine Pferde nicht mehr missen. Es ist soviel komfortabler und sicher auch gesünder als kaltes Wasser. Die Pferde bleiben entspannt, trippeln nicht herum und laufen dadurch weniger Gefahr auszurutschen. Die Muskulatur spannt sich nicht an, bleibt locker, das Fell ist sauber und das Pferd zufrieden. Sorgfältiges Abziehen mit dem Schweißmesser schätzt mein Junger ganz besonders, weil er so kitzelig am Bauch ist, dass ihn abrinnende Wassertropfen ähnlich irritieren wie Insekten, die dort landen.

Es gibt Pferde, die selbst am Kopf gerne geduscht werden. Auf den beiden Fotos oben ist das Grand Prix Pferd meiner Freundin Renate zu sehen, das Wasserspiele jeglicher Art liebt. Meine Pferde fallen in keine dieser Kategorien. Die Seniorin hat ihres geleistet. Der Junge hat immerhin noch Chancen zumindest eine dieser Kategorien zu erreichen. Im Zweifel ist es wohl eher der Grand Prix. Mit Wasser im Gesicht hat er es nicht so.

Am Kopf taste ich mich behutsam mit dem Schwamm von der Nase bis zu den Ohren und über die Backen zu den Ganaschen. Ich bin sehr zufrieden, wenn mein Pferdebub den Kopf unten behält. Was ihn im Fluss und bei Regen überhaupt nicht stört – Wassertröpfchen im Gesicht – das findet er mit dem Schlauch oder Schwamm ganz gräßlich. Vielleicht sollten wir es mal mit Sprühnebelgassen probieren, wie sie auf großen Turnieren und in großen Städten aufgestellt werden. Oder einfach mit einem Reitplatzberegner wie auf dem Titelbild. Wir üben und berichten zu gegebener Zeit.

Fotos: © Andrea Kerssenbrock

Tipp

Denkanstoß von Fachtierarzt Dr. Bernhard Lischka, Produktentwickler bei NutriLabs: Mit dem Abspritzen gelangen nicht nur Schweiß und Schmutz, sondern auch Insektenspray bzw. dessen Inhaltsstoffe in die Kanalisation. Er empfiehlt deshalb, auch das Kleingedruckte auf Shampooflaschen und Insektenspray zu lesen. Denn die Inhaltsstoffe landen unweigerlich im Wasserkreislauf.

Im Sinne der Pferdegesundheit und unserer Umwelt braucht es verantwortungsvolles Denken auch da, wo man oft nicht daran denkt.

Schlagworte: Fell / Fitness / Pferde / Trinken / Wasser

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